Von Trauer und Freundschaft

Seit gestern ist ein guter Mensch weniger auf dieser Welt.

 

Ein lieber Freund und äußerst wichtiger Mensch für einen meiner absoluten Herzmenschen musste uns verlassen. Ich glaube, mich hat die Trauer noch nie so hart und ungefiltert getroffen, wie gestern.

Wahrscheinlich liegt das daran, dass ich erst in den letzten Jahren gelernt habe, ehrlich mit meinen Gefühlen umzugehen, aber es ist so viel härter, wenn man sich nicht mehr vor der eigenen Trauer verstecken kann. Vermutlich ist es aber auch gesünder, denn das erste Mal kann ich dem ganzen auch etwas Gutes abgewinnen, den Wert der Freundschaft sehen, die war und ist.
Mein Herzmensch und ich sind irgendwie noch näher zusammengerückt, als wir das nach einem Jahr als Paar und nun schon über zwei Jahren als dicke Freunde sowieso schon waren, und das macht mich unendlich dankbar.
Es macht die Umstände nicht besser und mildert die Trauer nicht, aber es ist ein Sonnenstrahl am Horizont.
Außerdem sind wir alten Hippies uns sowieso einig, dass Energie nicht vergeht und unser Freund irgendwie nie ganz weg sein wird, und auch das ist äußerst tröstlich.

Passend zu der ganzen Traurigkeit hatte ich heute auch noch meinen letzten Arbeitstag in meinem Praktikumsbetrieb und wisst ihr was? Ich wurde noch nie so herzlich und mit so vielen ehrlichen, guten Wünschen verabschiedet wie in dieser Firma.
Tat richtig gut und war genau das richtige nach diesem traurigen Abend gestern.

Und dann kam auch noch die Post und brachte mir Pakete von zwei lieben Menschen.
Das erste ist von Miss Elbneedle (sie hat gerade eine Flohmarktgruppe für ihr Aussortieres eröffnet, da sollte man wirklich mal reinsehen!), mit zwei ganz wunderschönen Stoffen drin, die zukünftig als Sofakissen ein bisschen Meer in unsere Wohnung bringen werden.

 

Und dann war da noch das Paket von meiner Freundin Maria (alias Lamiliya) aus Berlin - ich hatte ihr meine größeren Stoffreste geschickt, weil ihre Mädels sich seit neuestem fürs Nähen interessieren, und sie hat mir ein dankeschön-Paket gepackt. Und wisst ihr was? Obwohl wir uns noch nie begegenet sind, hat sie meinen Geschmack absolut getroffen und ich freu mich total!

Der Grund, warum ich euch das in diesem Post zeige ist, dass ich es ganz wunderbar finde, von Menschen umgeben zu sein (ob nun persönlich oder virtuell), die sich Gedanken machen, was mich glücklich machen würde und dann einfach loslegen.
Auch die Mädels in den verschiedenen Probenähgruppen haben ganz wunderbar reagiert, als ich bescheid sagte, dass ich eventuell kurzfristig ausfalle, weil ich zu meinem Freund fahre, wenn er mich braucht.
Sie sagten Sachen wie "vergesst das Lachen nicht", "Janz viel Liebe & go for love" und haben mir gesagt, wie toll sie es finden, dass ich ihm eine solche Freundin bin.

Sie haben mich daran erinnert, dass man trauern darf und muss, und dass die Welt dann eben mal auf einen verzichten muss.

Und nicht zuletzt mein Mann, der mich heute früh gar nicht allein lassen wollte, weil ich traurig bin und mich heute schon ein paar Mal angerufen hat. Es spricht so sehr für ihn und unsere Ehe, dass er genauso lange Empathifühler hat wie ich, und mit mir fühlt, auch wenn er den Verlust nicht spürt.

Hach. So viel gequatscht, aber das musste raus.
Was für mich bleibt ist das Gefühl, irgendwie schon alles richtig gemacht zu haben, auch wenn ich von der Heulerei Kopfschmerzen bekommen habe und mich heute früh ganz schön schminken musste, um nicht total doof auszusehen.

Trauert, wenn ihr trauern müsst. Seid wütend, findet es ungerecht, schreit irgendwen an (aber sagt ihm dann auch, warum) und ehrt und liebt eure Freunde und Herzmenschen.

Und: tut Dinge, die Menschen in Erinnerung bleiben, denn das macht unsterblich.

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Kommentare: 1
  • #1

    Amy (Donnerstag, 02 März 2017 22:09)

    Ich drück dich ganz fest <3
    Freundschaft und Liebe bleibt... auch über den Tod hinaus!