Talk hessisch to me!

Liebe Nicht-Hessen: ihr müsst jetzt stark sein, denn heut wirds regional.

 

Spätestens im März tauchen Jahr für Jahr auf hessischen Wochenmärkten mysteriöse Pakete mit grüner Schrift auf.

 

Inhalt: Kräuter ohne Ende.
Genauer: Petersilie, Sauerampfer, Borretsch, Kerbel, Kresse, Pimpinelle und Schnittlauch.

Wem außer Petersilie, Schnittlauch und Kresse nichts bekannt ist, dem muss ich dringend anraten, die großen Unbekannten zu versuchen - wunderbare Kräuter!

Borretsch und Pimpinell passen zum Beispiel ganz wunderbar zu Gurken, Kerbel schmeckt leicht nach Anis und ist ganz spannend im grünen Salat und Sauerampfer wächst eigentlich so ziemlich überall wild und schmeckt einfach nur frisch, wie ich finde. Die meisten Kräuter lassen sich übrigens auch im Topf wunderbar ziehen und sind auch durch Frost nicht kaputt zu kriegen - mehr dazu weiter unten.

Ich gebe zu, schnell gemacht ist die "Grie Soß" nicht unbedingt.

Klar, man kann alle Kräuter in den Häcksler schmeißen und pürieren (so kriegt man sie übrigens auch fertig im Laden - irks!), aber für mich ist das schöne an Grie Soß, dass man bei jedem Bissen ein anderes Aroma schmeckt. Also mache ich mir die Arbeit und hacke, hacke, hacke, bis alles schön klein, aber noch zum zerbeißen in der Schüssel landet.

Wenn alles gehackt ist, kommt ein großzügiger Klecks Joghurt drauf, dazu Magerquark, ein Löffel Senf, ein Löffel Mayo, frischer Pfeffer und Kräutersalz - und dann wird gerührt, bis alles total lecker vermatscht ist - schlotzig nennt meine Mutter das.

 

Übrigens zeigt dieses Bild ein Stück Glück für mich, denn ich habe einen ernsthaften Fimmel, was Keramik angeht.

Die Schüssel ist noch aus der Küche meiner Oma, das kleine Gefäß stammt aus der Werkstatt einer Töpferin aus Paderborn, mit der meine Mutter seit Jahrzehnten befreundet ist, und das größere aus einem Trödelladen im Hunsrück, an dem ich nie einfach vorbeifahren kann, wenn es mich mal dort hin verschlägt.

Aber ich schweife ab.

 

Wenn alles eine hellgrüne, lecker nach Kräutern duftende Pampe ist, kommen Eier dazu - ich nehme meistens 3 oder 4 Stück, denn die binden die ganze Sache etwas ab.
Man kann auch noch Zwiebeln ganz fein hacken und dazu geben, aber ich mag das nicht - die sind mir zu penetrant, ich möchte, dass meine Grie Soß auch grie schmeckt.

Noch so ein Fimmel von mir:

ich mach furchtbar gern Musik mit dem Eierschneider. Bin nur ich so bekloppt oder geht's noch jemandem so?

So. Zurück zum Thema: abdecken und schön durchziehen lassen.

Und dazu?

Ganz traditionell wären Kartoffeln und gekochtes Rindfleisch wie Tafelspitz.


Wir haltens schlicht und bleiben bei leckeren Kartoffeln vom Wochenmarkt. Mehr brauchts für mich auch ehrlich gesagt nicht.


(Wenn ihr das Bild anklickt, könnt ihr euch auch den Rezeptvorschlag vom Hersteller angucken!)

Und weil ich vorhin noch vom Balkon-Gärtnern erzählt habe, gibt's jetzt auch dazu noch was.

 

Ich hab mich heute endlich rumgerissen und zumindest die Ecke unseres Balkons, die man von der Couch aus immer sieht, wieder hübsch gemacht.


Die Herbststürme haben leider so einige Opfer bei der Balkonbevölkerung gefordert, ich habe mindestens sechs kaputte Blumentöpfe zu beklagen und auch einige der langen Kästen hat's dahingerafft. Außerdem ist mein grünes Windrad kaputt gegangen - war dann wohl doch zuviel Wind.

Dass ich Upcycling ganz toll finde und praktisch immer dem Kauf neuer Sachen vorziehe, sieht man auch auf dem Balkon.

Der kleine Tisch und die Körbe sind vom Sperrmüll, viele der Blumentöpfe habe ich im Keller meiner Mutter oder auf dem Trödel erstöbert und selbst kaputtes Geschirr kommt nicht unbedingt in den Müll - der kleine Teller mit Zwiebelmuster ist auf unserer Hochzeit kaputt gegangen und hat ein zweites Leben als Blumenkorbdeko bekommen.
Neu sind nur die Windlichter (psssst: die gibt's übrigens gerade beim Discounter mit A) und natürlich die Blümchen selbst.

Und zu den Kräutern: der absolut ausgetrocknete Knobischnittlauch aus Schwiegermutterns Garten kommt gerade wieder, der normale wächst schon seit Wochen vor sich hin und mein Sauerampfer kommt gerade das dritte Jahr in Folge nach Frost und Eis wieder. Ich hab alles draußen gelassen und mir gedacht "mal gucken, was wieder kommt".
Was mich ganz besonders freut ist, dass der Liebstöckel (alias Maggikraut) wieder austreibt - der ist aus Mutterns Garten und scheinbar äußerst robust!
Und die Pimpinelle (ihr erinnert euch? Toll zu Gurken!) erlebt die letzten Tage quasi einen Boom!

 

Jetzt muss ich nur noch den Rest des verwüsteten Balkons wieder zum Leben erwecken - ach, ich liebe den Frühling so sehr!

 

Ich geh mal dem Stadtkerl knuffeln - der ist heute der Kartoffel- und Äpplerbeauftragte :)
Wer Äppler nicht kennt: Apfelwein. Aber kein Cidre oder Cider, sondern Apfelwein. Herb, apfelig, und wenn man ihn nicht gewöhnt ist, kann es durchaus passieren, dass man den Tag drauf sehr viel Zeit auf der Schüssel verbringt *g* also, liebe Nicht-Hessen: lasst euch nicht veräpplern, falls ihr mal hier seid :D

 

Alles Liebe! Das Stadtkind

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