Hilfe, Emanzipation!

Emanzipation und Feminismus – ein heißes Eisen, immer noch.
Jedes Jahr zum Weltfrauentag plöppen überall Beiträge auf und auf einmal hat jeder eine Meinung zum Thema. Dieses Jahr waren es Emma Watsons Brüste.


Leider sind diese Diskussionen immer noch dringend nötig. (Alwy)


Ich hab gedacht, ich lese nicht richtig, als ich über einen Artikel stolperte, in dem sich so genannte „Feminstinnen“ grün und gelb darüber ärgerten, dass Miss Watson ihren Brustansatz auf einem Bild aus einem Shooting der Vanity Fair zeigte. Den ANSATZ, wohl gemerkt.
Laut den Damen stand das im krassen Gegensatz dazu, dass sie sich als Feministin und emanzipierte Frau bezeichnete.

 

Wie bitte?


Och nö, das Foto ist total schön und man sieht echt nix. Viel Wind um nichts. (Andrea)


Aber fangen wir mal von vorne an.

Emanzipation stammt vom lateinischen emancipatio, was ursprünglich die „Entlassung aus der väterlichen Gewalt“ oder auch die „Freilassung eines Sklaven“ bedeutete. Das Wort ist eine Zusammensetzung aus den Wörtern e: aus, manus: Hand, und capere: nehmen. (Wikipedia).

Ursprünglich hatte dieses Wort nichts mit Frauenrechten zu tun, sondern mit der Aufgabe von Besitzansprüchen auf Dinge oder (ja, auch das) Menschen.

 

Diese Bedeutung bekam Emanzipation erst im 20. Jahrhundert zugeschrieben, als sich die Frauen der Generation meiner Mutter erhoben und dafür kämpften,  gleichberechtigt zu sein. Und das war hart, meine Mutter und meine Patentante waren mittendrin und haben mir oft davon erzählt.


Die Frauen damals haben wirklich für Emanzipation und Selbstständigkeit kämpfen müssen und wir können uns jetzt quasi drin sonnen. (Belinda)


Dank dieser Entwicklung und der Arbeit unserer Vorgängerinnen haben wir, die neue Generation die Möglichkeit, dem Wort Emanzipation eine neue Bedeutung zu geben. Ich glaube, wir haben als emanzipierte Frauen das Recht und die Pflicht, die uns von unseren Vorgängerinnen gegebenen Freiheiten zu leben und zu schützen.
Die Bedeutung von Emanzipation in unserer Generation ist für mich, dass Emanzipation nicht weiblich ist. Auch nicht männlich, wobei ich Kampagnen wie HeForShe oberaffengut finde.


Für mich ist es selbstverständlich, dass alle Frauen, Mädchen und ich alles können, was Männer können. Weder besser noch schlechter. Es gibt für mich kein starkes oder schwaches Geschlecht. (Belinda)


Moderne Emanzipation ist geschlechtslos. Emanzipation bedeutet, dass wir alle die gleichen Rechte haben, völlig egal, ob wir Brüste, einen Penis oder beides haben.

 

Für mich ganz persönlich bedeutet Emanzipation, mich frei zu machen von Geschlechterrollen, Erwartungshaltungen und Zwängen, mich zu entscheiden, wer und wie ich sein möchte und dazu zu stehen.


Ich bin innerlich so eine schlimme "Emanze", wollte nie heiraten und Kinder. Hab ich ja jetzt doch gemacht, aber eben ANDERS. Deswegen darf mein Sohn auch lila und Glitzer. (Andrea)


Ich bin gern Frau (außer einmal im Monat, da könnte ich es verfluchen – kennen wir ja alle), ich liebe Kleider und Röcke und finde es richtig nett, klein zu sein und mich an meinen großen, starken Mann zu knuffeln.
Ich stehe dazu, dass ich manche Sachen einfach nicht kann, weil mir schlichtweg die Kraft dazu fehlt. Das war übrigens nicht immer so – als ich noch körperlich gearbeitet habe, war ich ziemlich stark. Aber auch hier: „Fräulein, können Sie mich denn überhaupt heben?“ war der Klassiker am Bettrand. Ich konnte. Auch bei 100 Kilo-Männern mit 1,90 m Körpergröße und Halbseitenlähmung. Die haben blöd geguckt, sag ich euch!.


Es ist nur traurig, dass wir uns immer noch rechtfertigen müssen, was wir sind und was wir können, das macht mich sauer! (Andrea)


Emanzipation sollte finde ich auch vor Beziehungen und Familien nicht halt machen. Ja, der Klassiker ist immer noch, dass die Mutter daheim bleibt - was ich total okay finde - aber die Männer unserer Zeit sind dankenswerterweise schon sehr weit entfernt von "Schatz, ich bin zuhause, ist das Essen fertig?".

Sie tragen ihre Kinder unter Jacken mit Trageeinsatz, kümmern sich um große Geschwister und das heimische Chaos, wenn Mama mit Wehen im Krankenhaus liegt (und auch sonst) und bauen mit ihren Kindern stundenlang am neuesten Projekt im Garten (macht mein Schwager zum Beispiel ganz toll!).

 

Ich hab meinem Mann übrigens kochen beigebracht, und auch wenn zu 90% immer noch ich am Herd stehe (was ich mag, weil ich einfach gern koche), übernimmt er ganz selbstverständlich den Job, wenn ich einen blöden Tag hatte oder eben einfach mal keine Lust habe, zu kochen. Und die Hausarbeit teilen wir uns auf - jeder macht das, was er gut kann. Oder das, was der andere nicht kann.


"Oh, die Kinder sind alleine beim Vater?" ist etwas, das ich nie verstehen werde. Er ist genauso Eltern, wie ich. Und wäre es nicht so, dann hätte ich ihn nicht geheiratet. (Belinda)


Emanzipation bedeutet für mich, dass ich genau diese Entscheidungsfreiheiten jeder Frau, jedem Mann, jeder und jedem Trans zugestehe.

 

Emanzipation bedeutet für uns alle, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu würdigen, aber nicht zu einer Zwangsjacke zu machen. Sie bedeutet, dass alle Geschlechter daran arbeiten müssen, Bedingungen zu schaffen, unter denen wir alle fair und gerecht behandelt werden.

Und sie bedeutet, dass Emma Watson und jede Frau dieser Welt ihre Brüste (die, oder zumindest deren Ansatz, übrigens sehr hübsch sind!) zeigen kann, wem sie will und wann sie will.

Zum Thema Feminsmus hat Emma übrigens 2014 eine wunderbare, inspirierende Rede gehalten, die ich euch unbedingt auch noch zeigen möchte:

Also: emanzipiert euch!

 

Wühlt euch frei, weist auf Alltagssexismus hin, bezieht Männer und Jungen mit ein, bringt ihnen bei, dass wir alle die gleichen Rechte haben.

 

So machen wir die Welt ein bisschen besser und schaffen ein Stück mehr Harmonie.

 

Danke an meine starken und klugen Freundinnen Belinda, Andrea und Alwy für eure Gedanken Ihr seid großartig, alle miteinander in unserer kleinen Gang, zu der noch ein paar Ladies gehören.

 

Euer sehr emanzipiertes Stadtkind

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Kommentare: 4
  • #1

    Jasmin (Dienstag, 21 März 2017 14:12)

    Ich finde den Beitrag großartig! Genau so sehe und fühle ich Emanzipation auch. Gleichberechtigung bedeutet eben nicht Gleichheit. Das wäre fatal und langweilig obendrein. Nur weil ich eine Frau bin, möchte ich nicht abgestempelt werden, dass ich irgendwas nicht kann. Ich möchte aber auch nicht zu einem geschlechtslosen Ding gemacht werden. Und wenn ich einen kurzen Rock trage und mich darin wohl fühle, ist es mein gutes Recht ihn zu tragen. Aber mal ernsthaft: Ich kann trotzdem nicht verlangen, dass dann kein Mann mir hinterher schaut. Ich selbst werde von viel zu tiefen Ausschnitten hypnotisiert oder schaue einem Mann nach, wenn aus seinem ärmellosen Shirt schöne Arme schauen. (Ich hatte da mal eine hitzige Diskussion mit einer sogenannten Emanze ...). Und wenn ich mit einem Hammer die Wände einreißen will (und kann), dann lasst mich. Ich lasse Männer doch auch großartige Gerichte kochen oder Mode designen. Talente, Fähigkeiten und Wünsche sind an kein Geschlecht gebunden!

  • #2

    Stadtkind (Dienstag, 21 März 2017 14:33)

    Die Sache mit den tiefen Ausschnitten kenne ich *lach* ich kann einfach nicht nicht hingucken, und wenn wir mal ehrlich sind, ist doch auch genau das das Ziel, oder?
    Das gleiche gilt für Miniröcke und Hotpants - wenn ich nicht will, dass einer guckt, wähle ich etwas längeres. Fertig.

  • #3

    Natalie (Dienstag, 21 März 2017 21:55)

    Ich liebe Dich :-*

  • #4

    Stadtkind (Dienstag, 21 März 2017 21:59)

    Aaaaach Natalie ♡♡♡ ich dich auch, ganz arg! :*