"Du machst wieder ein Drama"

Heute gibt's einen kleinen Seelenstriptease.

Schuld daran ist Mimi Erhardt von Mimi&Käthe, einem Blog, den ich vor ungefähr zwei Jahren entdeckte und schnell lieben gelernt habe.
Mimi hat heute etwas geschrieben, dass mir sehr unter die Haut ging - es fühlte sich an, es spräche sie von mir, denn ihr Artikel trägt den Titel "Du bist zu viel" oder: keine Dramen mehr.

Äußerst lesenswert, wie alles aus ihrer Feder, aber auch sehr persönlich, und ich kann sehr gut nachvollziehen, wovon sie spricht.

Denn ich gehöre zu den Frauen, die gemeinhin gern mal als "Dramaqueen" bezeichnet werden.

Wenn ich sauer bin, aber niemanden anschreien kann, fange ich an zu heulen.
Wenn ich traurig bin, spreche ich erst gar nicht mehr, dann viel zu viel und dann, irgenwann brechen die Dämme und ich weine stundenlang.
Wenn ich etwas als ungerecht empfinde, aber aus irgendwelchen Gründen gezwungen bin, das runter zu schlucken kann es passieren, dass ich irgendwann unkontrolliert um mich schlage und Menschen emotional sehr verletze, weil ich ihnen alles ins Gesicht werfe, was ich über sie weiß. Und das kann richtig eklig werden, denn ich sehe sehr viel.


Ich komme oft nicht gut mit dem zurecht, was um mich herum geschieht, und befinde mich heute noch in einem Lernprozess, den man eigentlich spätestens in der Pubertät durchmacht.

Ich lerne, die Welt zu akzeptieren, auch wenn sie mich nicht akzeptiert.

Das alles finde ich eigentlich nicht so schlimm, denn ich finde meistens einen Weg, der für alle einen Kompromiss darstellt.
Ich meckere meinen Frust über manche Dinge bei jemandem raus, von dem ich weiß, dass er es abkann, denke (meistens) nach, bevor ich spreche und bin absolut in der Lage, mich zu entschuldigen, wenn jemand von einem meiner Gefühlsorkane getroffen wurde, der das nicht verdient hat.

Was ich aber wirklich schlimm finde, ist wenn Leute mir vorwerfen, ich mache nur Drama.
Als wären meine Gefühle nur ein Weg, Aufmerksamkeit zu bekommen, als wären sie ungerechtfertigt und ich müsse mich nur weniger anstellen, dann ginge das schon alles.

Sorry, Kinder. This ain't gonna happen.

Ich war so lange gezwungen, meine Gefühle runterzuschlucken und nicht zu stören, dass sich daraus eine ernstzunehmende Angsstörung entwickelt hat.
Was an Wut nicht raus gelassen werden durfte, manifestierte sich als Angst, und ganz ehrlich: seit ich gelernt habe, wütend zu sein, habe ich zwar weniger Freunde, aber auch weniger Angst.

Also ja: ich mache Drama, wenn mir danach ist. Ich heule, ich schreie rum, ich stoße Menschen vor den Kopf und bin manchmal unfair, und natürlich habe ich in solchen Ausbrüchen auch schon Wunden geschlagen, die nicht so schnell verheilt sind. Oder auch gar nicht mehr.

Trotzdem möchte ich nicht anders sein.

Das bin ich. Das ist meine Art, das Leben zu leben. Und die, die bei mir bleiben, sind es wert, sich zu beherrschen, weil ich weiß: sie halten auch mein Drama aus.

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Kommentare: 2
  • #1

    Krissi (Dienstag, 11 Juli 2017 06:58)

    Sehr schön geschrieben und ich kann mich voll und ganz in dich reinverrsetzen.
    Das da oben könnte 1 zu 1 mein Text sein.

  • #2

    Stadtkind (Dienstag, 11 Juli 2017 07:46)

    Scheint vielen Frauen so zu gehen.
    Ich frag mich halt wirklich, wann Emotionen zu einem Makel wurden, so dass wir dazu erzogen werden, nicht so dramatisch zu sein.
    Ganz ehrlich: vor 50 Jahren gehörte ein Nervenzusammenbruch quasi zum guten Ton für ein Dame *lach* so what?

    PS: ich kann den Text von Mimi&Käthe auch sehr empfehlen - auch gelesen?